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Methodik

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)

Was sind „Behandlungsleitlinien“? Was sind sie nicht?

Behandlungsleitlinien sind definiert als „systematisch entwickelte Aussagen zur Unterstützung der Entscheidungsfindung von Ärzten und ggf. anderen Gesundheitsberufen sowie Patienten für eine angemessene Vorgehensweise bei vorgegebenen Gesundheitsproblemen“ (AWMF & ÄZQ, 2008). Leitlinien sind weder als Anleitung für eine so genannte „Kochbuchmedizin“ zu verstehen, die individuelle Erfahrung eines Behandelnden, eine sorgfältige Abwägung von Risiken und Nutzen oder Präferenzen der Patienten überflüssig macht, noch stellen sie die Meinungen einzelner Fachexperten dar (AWMF & ÄZQ, 2008). Vielmehr handelt es sich bei Leitlinien um einen erzielten Konsens in einer bestimmten klinischen Fragestellung von multidisziplinären Expertengruppen. Die Bedürfnisse von Patienten und Angehörigen sowie die vorhandenen nationalen Ressourcen sollen dabei gleichermaßen berücksichtigt werden und einfließen.

Leitlinien dürfen nicht als „Richtlinien“ verstanden oder gar missbraucht werden. Sie geben im Unterschied zu verbindlichen „Richtlinien“ ausschließlich Handlungsempfehlungen wieder, die auf die individuelle Situation des Patienten und die gegebenen Versorgungsmöglichkeiten angepasst werden müssen. Sie sind Orientierungshilfen im Sinne von „Handlungs- und Entscheidungskorridoren“, von denen in begründeten Fällen abgewichen werden kann oder muss (AWMF & ÄZQ, 2008).  Leitlinien der Wissenschaftlichen Fachgesellschaften werden gemäß ihres Entwicklungsprozesses klassifiziert (Kopp, Encke & Lorenz, 2002).

Leitlinienklassifikation der AWMF

Entwicklungsstufe 1 (S1):
Empfehlungen durch eine repräsentativ zusammengesetzte Expertengruppe (informeller Konsens).

Entwicklungsstufe 2 (S2, S2k, S2e):
Empfehlungen durch eine Evidenzrecherche oder eine interdisziplinäre Konsensfindung (formaler Konsens)

Entwicklungsstufe 3 (S3):
Empfehlungen durch Einhaltung von fünf Komponenten: 1.) Logik, 2.) Evidenz-Basierung, 3.) Konsensus, 4.) Entscheidungs- und 5.) Outcome-Analyse.

Literatur:

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) & Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) (2008). Deutsches Instrument zur methodischen Leitlinien-Bewertung (DELBI). Fassung 2005/2006 + Domäne 8 [online]. Verfügbar undefinedunter:

Kopp, I., Enke, A. & Lorenz, W. (2002). Leitlinien als Instrument der Qualitätssicherung in der Medizin. Bundesgesundheitsblatt; 45: 223–233.